Solufeeling – Die Erinnerung an das Licht!
SoluFeeling ist kein Produkt. Es ist ein Resonanzfeld. Wer etwas sucht, wird vielleicht stiller.
Wer nichts sucht, fühlt sich vielleicht zuhause. Und wer nichts fühlt, hat trotzdem nichts verpasst.
Solufeeling – Die Erinnerung an das Licht!
SoluFeeling ist kein Produkt. Es ist ein Resonanzfeld. Wer etwas sucht, wird vielleicht stiller.
Wer nichts sucht, fühlt sich vielleicht zuhause. Und wer nichts fühlt, hat trotzdem nichts verpasst.
Ein Moment vor der Zeit
Du wusstest es selbst ‒ bevor du das Buch aufschlugst, hattest du schon gespürt, dass dies kein gewöhnlicher Anfang ist.
Es beginnt nicht mit einer Handlung. Es beginnt mit einem Klang. Ein leiser Ton in dir, der sich nach dir selbst sehnt.
In einem kleinen Zimmer, irgendwo zwischen Wachen und Träumen, sitzt ein Mann an einem alten Holztisch. Der Raum ist still. Nur das Flüstern der Feder ist zu hören, die über das Papier gleitet.
Er schreibt nicht, um etwas zu sagen. Er schreibt, weil etwas durch ihn erinnert werden will.
Sein Name ist unwichtig. Vielleicht heißt er Lorian. Vielleicht trägst du denselben Namen. Vielleicht ist er du.
In jener frühen Stunde, als das Licht noch zögernd durch das Fenster tastet, hält er inne. Er berührt mit der Hand den Tisch. Dann die Tasse. Dann seinen eigenen Atem. Und da ist es. Dieses klare, unbestechliche Wissen: Alles ist ich.
„Ich bin nicht die Figur in der Geschichte.
Ich bin der Raum, durch den sie sich entfaltet.“
Nicht als Gedanke. Nicht als Konzept. Sondern als vibrierende Gegenwart. Der Schrank. Der Boden. Die Geschichten seiner Kinder. Der Schatten seiner Vergangenheit. Der Gedanke an einen Leser. Der Leser. Alles ist Bewusstsein. Alles bin ich.
Er lächelt. Nicht, weil er etwas verstanden hätte. Sondern weil der Schleier gerade gefallen ist.
Einmal mehr.
Wie ein Vorhang, der auf der Bühne des Lebens zur Seite weht und offenbart, dass der Schauspieler, der Zuschauer und das Stück ein und dieselbe Quelle haben.
„Aber wie kann ich das festhalten?“, denkt der Mann.
Und genau in dem Moment fällt die Antwort sanft in ihn hinein, wie ein Blatt, das vom Himmel sinkt:
Du musst nichts festhalten.
Denn du bist das, was hält. Du bist nicht die Szene. Du bist der Raum, in dem sie geschieht. Er atmet ein. Ein Moment der Stille. Dann beginnt er zu schreiben. Doch diesmal nicht, um zu erklären. Sondern um zu erinnern ‒ dich.
Dich, der du nun diese Zeilen berührst.
Du hast vielleicht geglaubt, du wärst Leser. Aber du warst es, der dieses Kapitel gerufen hat. Du warst es, der die Feder bewegt hat. Du warst es, der vergessen hatte ‒ und der sich nun erinnert.
Hallo, sagt die Stimme in dir. Da bist du ja. Ich bin du. Und du bist ich. Und wir sind eins. Lass den Schleier fallen, nur für diesen Moment.
Und so beginnt die Zeitfeder. Nicht mit einer Geschichte. Sondern mit einer Rückkehr.
Kapitel 1 – Die Feder im Schaufenster
Der Regen fiel in langen, müden Linien über die Dächer der Stadt. Das Licht der Laternen flackerte auf dem nassen Pflaster, als würde es nach Halt suchen. München war still, beinahe durchsichtig.
Lorian zog den Mantelkragen hoch. Der Stoff roch nach Wind und Abend, und für einen Moment war es, als schütze er nicht den Körper, sondern den Gedanken, der ihn trug.
Er ging ohne Ziel. Seine Schritte hallten zwischen den Fassaden, begleitet vom Tropfen der Dachrinnen, vom fernen Rauschen der Isar. Er wusste nicht, warum er nicht schon längst zu Hause war – nur, dass etwas in ihm lauschte.
Dann blieb er stehen.
Ein kleines Schaufenster, zwischen zwei verschlossenen Türen eingeklemmt, glühte in mattem Gelb. Über der Scheibe prangte ein verblasstes Schild:
„Antiquariat Zeitzeichen“
Hinter der beschlagenen Scheibe lagen alte Globen, Tintengläser, verstaubte Uhren – und mittendrin, auf einem Stück schwarzen Samts, eine Feder.
Gold.
Aber nicht metallisch.
Eher wie etwas, das nicht geschrieben wurde, sondern selbst schreiben wollte. Wie Licht, das in sich wusste, was es erinnert.
Er trat näher. Sein Atem malte Nebel auf die Scheibe, und im Glas sah er sich doppelt – einmal draußen, triefend vom Regen, und einmal drinnen, mit einer Hand, die sich bereits nach der Feder ausstreckte.
Etwas im Raum dahinter schien zu atmen.
Nur leise – wie Erinnerung.
Der Regen fiel jetzt seltener, wie vergessene Sekunden, die Tropfen lösten sich noch vereinzelt von den Dachkanten – langsam, beharrlich, als wollten sie den Moment verlängern. Lorian stand da, unbeweglich.
Hinter der Scheibe flimmerte das Licht, kaum merklich, als würde es sich selbst zuhören.
Er hob die Hand, zog mit dem Finger eine Linie durch den beschlagenen Dunst.
Auf der anderen Seite, hinter dem Glas, schien die Feder kurz aufzuleuchten. Nur ein Hauch – vielleicht eine Spiegelung, vielleicht ein Atemzug des Lichts.
Ein Schauer lief ihm über den Nacken. Nicht vor Kälte, sondern vor etwas, das sich nicht benennen ließ.
„Du stehst nicht vor einer Tür. Du stehst vor dir selbst.“
Die Stadt hinter ihm war verschwunden. Kein Auto, kein Schritt, kein Laut – nur das Rauschen, das blieb, wenn alle Geräusche vergessen hatten, dass sie Geräusche waren.
Er beugte sich näher. In der Spiegelung seines Gesichts sah er nicht mehr sich, sondern ein älteres, ruhigeres Abbild – eines, das ihn zu kennen schien.
Ein Tropfen rann über das Glas, trennte für einen Augenblick das Alte vom Jetzt. Da hörte er es – ein leises Klicken, kaum hörbar, als würde eine Uhr anhalten, nicht ticken.
Die Tür des Antiquariats stand offen.
Kein Windstoß, kein Schlüssel – einfach offen...
Der Mann im Antiquariat wirkt wie eine Schwelle. Noch unklar, ob er real oder Lichtwesen ist.
Er sah hinein:
Staubtanz im schwachen Licht, Schatten von Büchern, der süßliche Geruch nach altem Papier und Metall.
Es war kein Laden mehr, eher ein Raum, der sich erinnerte, was er einst gewesen war.
Lorian zögerte.
Dann trat er über die Schwelle.
Hinter ihm erlosch der Klang der Straße, als würde die Welt sich einen Augenblick lang schließen, um ihn durchzulassen.
Nur der Regen blieb – und das Licht, das sich langsam in ihn hineinverlagerte.
Die Luft war wärmer als draußen, doch sie trug denselben Ton. Ein feiner Dunst hing über den Regalen, und jedes Staubkorn schien still zu lauschen. Der Raum roch nach Papier, Metall und etwas Süßlichem, das an Wachs erinnerte.
Lorian blieb stehen.
Sein Atem schien lauter zu sein als alles andere.
Er hörte, wie das Holz unter seinen Schritten antwortete, als würde es ihn erkennen.
Auf dem Tisch in der Mitte des Ladens lag ein Blatt Papier – leer, aber nicht still. Daneben die Feder. Sie lag so selbstverständlich da, als hätte sie nur auf seine Ankunft gewartet.
Er drehte sich um, wollte etwas sagen, vielleicht nur ein „Hallo“, aber seine Stimme verhallte schon im Ansatz.
Da stand er, hinter dem Tresen. Ein Mann, alt, mit einem Gesicht, das wie aus Licht und Schatten geschnitten war. Er trug eine Weste, die nach anderen Zeiten aussah, und sah Lorian an, als kenne er ihn seit langem.
„Schönes Stück, nicht wahr?“ sagte der Mann.
Seine Stimme war ruhig, kaum über einem Flüstern.
Lorian nickte. „Was kostet sie?“
„Mehr, als man bezahlen kann.“ Ein kaum sichtbares Lächeln. „Aber sie sucht ohnehin selbst ihren Schreiber.“
Lorian wollte antworten, doch das Licht über dem Tisch flackerte, und für einen Augenblick veränderte sich die Luft.
„Wie ist dein Name“, fragte der alte Verkäufer, „nur damit ich weiß wo sie hingegangen ist, falls sie mit dir geht.“
Lorian überlegte kurz ob es Sinn macht, hier seinen Namen preiszugeben. Ein seltsamer Laden, wer weiß...
„Lorian“, zögerte er leicht, „Lorian Beaumont“. Warum ist das wichtig?
Die Schatten wurden dichter, die Geräusche klarer. Er hörte, wie die Zeit selbst einen Atem nahm.
Als er wieder hinsah, war der Mann verschwunden.
Nur der Stuhl hinter dem Tresen blieb – leer, aber warm, als hätte dort gerade noch jemand gesessen.
Er trat näher zum Tisch. Die Feder glitzerte schwach, als würde sie das Licht der Lampe einatmen. Er hob sie auf.
Sie war schwerer, als er erwartet hatte und kühl – wie Licht, das sich noch nicht entschieden hatte, Form zu werden.
Das Papier vor ihm schimmerte leicht. Er legte die Feder darauf. Nichts geschah. Kein Kratzen, kein Tropfen Tinte, nur dieses Schweigen, das zu hören war.
Er senkte den Kopf.
Die Buchstaben auf dem Messinggriff der Feder wirkten wie in Bewegung.
Er glaubte, sie flüstern zu hören.
„Hat sie schon geschrieben?“ fragte er leise, ohne zu wissen, an wen.
Eine Stimme antwortete aus dem Raum, oder vielleicht aus ihm selbst:
„Schreiben ist nicht das richtige Wort.“
Er hielt inne. „Was dann?“
„Erinnern.“
Die Antwort hing in der Luft wie ein Echo, das sich nicht entscheiden konnte, ob es schon verklungen war.
Lorian sah auf die Feder, und plötzlich begann sie zu leuchten.
Nur schwach – aber genug, dass er das Zittern in seinen Händen spürte.
Er setzte sich.
„Ich schreibe nur ein Wort“, flüsterte er.
Die Feder berührte das Papier.
Kein Laut, kein Tintenfluss – nur ein Atemzug, der sichtbar wurde.
Linien entstanden. Nicht wie Schrift, eher wie Licht, das eine Form sucht.
Das Leuchten im Raum wurde stärker, und jeder Gegenstand begann, leise zu atmen – die Uhr, das Regal, der Tisch, selbst der Regen draußen.
In der Fensterscheibe sah er sein Spiegelbild – aber das Gesicht, das ihn ansah, war älter, ruhiger, wissender.
Dann schrieb die Feder, fast unmerklich, den ersten Satz, da stand leicht lesbar:
„Ich bin das, was dich schreibt.“
Das Licht weitete sich. Die Schrift glühte einen Augenblick lang – dann löste sie sich auf, als wäre sie nur für ihn bestimmt gewesen. Ein sanftes Flimmern blieb in der Luft, wie ein Nachklang einer Erinnerung, die gerade erst entsteht.
Als das Leuchten verging, lag das Blatt wieder still vor ihm.
Nur ein einziger Satz war darauf zu sehen, fein und schimmernd wie Morgentau, er war irritiert:
„Die Zeit beginnt dort, wo du dich erinnerst.“
Lorian saß noch da, als das Licht langsam zurückwich. Der Geruch von Papier und Metall war geblieben, aber der Raum hatte sich verändert. Die Schatten wirkten weicher, die Stille lebendig, als hörte sie auf ihn.
Er legte die Feder zurück, behutsam, als lege er etwas Schlafendes nieder.
Einen Moment lang glaubte er, die Feder habe noch gezuckt – doch vielleicht war es nur sein Atem.
Dann stand er auf.
Die Tür war offen, obwohl er sich nicht erinnerte, sie geöffnet zu haben.
Draußen glänzte die Straße, als hätte sie das Licht in sich aufgenommen.
Er trat hinaus.
Der Regen hatte aufgehört. Nur das Wasser auf dem Pflaster schimmerte in blassen Bewegungen, als trüge es eine Erinnerung, die niemand mehr lesen konnte. Hinter ihm erlosch das Licht des Antiquariats. Kein Geräusch, kein Klick – nur das Gefühl, dass etwas in ihm weiterleuchtete.
Er ging die Gasse hinunter, langsam, ohne Ziel. In seinem Inneren glomm noch der Satz nach, als stünde er auf unsichtbarem Papier:
Ich bin das, was dich schreibt.
Und irgendwo, im Flüstern der Stadt, antwortete etwas, das er noch nicht kannte. Ja, er schrieb den letzten Satz.
Doch noch bevor er den Punkt setzte, ahnte er, dass es nicht aus ihm kam – sondern durch ihn. Das Bewusstsein erinnerte sich. Es war das, was ihn geschrieben hatte.
Vielleicht war er es gar nicht, der den Stift hielt.
Vielleicht war es etwas Tieferes, das in ihm erwacht war – das sich erinnerte, diesen Moment niederzuschreiben.
Kapitel 2 – Das Flimmern im Morgen
Das erste Licht tastete sich durch die Jalousien seines Zimmers im Haus seiner Eltern im barocken Haidhausen von München, als wolle es prüfen, ob es hier willkommen war.
Lorian schlug seine Augen auf. Der leichte Geruch von Regen hing noch im Raum, obwohl das Fenster geschlossen war. Für einen Moment wusste er nicht, welcher Tag war.
Nur ein leises Gefühl blieb, dass in der Nacht etwas geschehen war, das sich nicht erzählen ließ.
Er ging in die Küche, setzte Wasser auf.
Das Klicken des Herdes, das Pfeifen des Wassers, der erste Bus draußen – die Welt klang wieder nach Alltag. Doch irgendetwas in ihm lauschte noch anders.
Als er zum Schreibtisch zurückkehrte, fiel die Morgensonne schräg über die Papiere, über Rechnungen, Notizen – und zwischen ihnen: etwas Goldenes.
Zuerst hielt er es für einen Reflex.
Dann sah er: die Feder.
Sie lag da, als wäre sie immer dort gewesen. Kein Tropfen Wasser, kein Staub, kein Schatten von Reise. Einfach da.
Er setzte sich.
Die Hand zitterte leicht, als er sie berührte.
Kalt. Schwer. Vertraut.
Und mit der Berührung kam die Erinnerung – nicht als Gedanke, sondern als Schimmer hinter den Augen:
Der Regen.
Das Schaufenster.
Das Schild über der Tür: „Antiquariat Zeitzeichen“
Er sah wieder den Glanz im Glas, den Mann hinter dem Tresen, das Flackern des Lichts, die Stimme, die aus dem Raum kam – oder aus ihm.
Dann wusste er, wo er gewesen war: Im Lehel. Dort, wo die Straßen enger werden und der Regen den Geruch der Isar mit sich trägt.
Ein Summen vibrierte auf dem Tisch.
Sein Handy.
Eine Nachricht:
„Denk an das Meeting am Vormittag. Dein Vater will dich kurz sprechen.“
Er las die Worte, verstand sie – und doch klangen sie fremd, als gehörten sie einer anderen Wirklichkeit. Er legte das Handy weg. Das Licht fiel auf die Feder, und sie glomm leise – nicht hell, wie eine Erinnerung an Helligkeit.
Er beugte sich näher, und für einen Atemzug glaubte er, in der Spiegelung der Feder den Laden wiederzusehen.
Dann war das Bild verschwunden.
Er nahm einen Schluck Kaffee.
Der Geschmack war bitter, zu irdisch für das, was in ihm nachklang.
Draußen glitt eine Wasserperle über das Fensterbrett, als fiele noch immer Regen über die Stadt.
Lorian legte die Feder vorsichtig auf das Notizbuch.
Sein Blick blieb an ihr hängen, und er flüsterte:
Ich erinnere mich.
Da schien das Licht im Raum zu atmen.
Nur für einen Herzschlag – aber es genügte.
Lorian setzte sich wieder an den Schreibtisch. Die Feder lag ruhig auf dem Notizbuch. Ein leises Zittern ging durch seine Finger, als er sie anhob. Dann schrieb er – nicht für jemand anderen, sondern für sich.
Die Reise geht weiter…
Alles, was ich heute geschrieben habe, alles, was ich in mir fühlte, führte zu einem einfachen, aber fundamentalen Punkt:
Es gibt keine Wahrheit „da draußen“. Alles ist mein eigenes Licht.
Es war seltsam, das so klar zu sehen. Mein Leben lang hatte ich geglaubt, dass ich Wahrheit finden müsste – in Büchern, in Lehren, in Erfahrungen. Doch wenn wirklich alles, was ich wahrnehme, mein eigenes Licht ist, dann gibt es nichts zu suchen.
Es gibt nur mich – als Bewusstsein, das seine eigene Wahrheit erschafft.
Ich dachte an all die Zeiten, in denen ich nach Antworten gesucht hatte. An die Momente, in denen ich geglaubt hatte, jemand anderes könnte mir die eine, große Wahrheit offenbaren.
An die Tage, an denen ich mich an Ideen oder Konzepte geklammert hatte, in der Hoffnung, sie würden mich zu einer Erkenntnis führen.
Doch die Wahrheit ist: Ich bin derjenige, der bestimmt, was für mich wahr ist.
Kein Lehrer, kein Guru, kein Autor kann mir eine fertige Wahrheit geben. Nur ich.
Wahrheit entsteht erst, wenn ich sie selbst erlebe.
Ich atmete tief ein.
Vielleicht war ich nie der Beobachter.
Vielleicht war es das Licht selbst, das sich durch mich beobachtete.
Und so wie ein Wissenschaftler eine Theorie aufstellt, beobachtet, forscht und daraus eine Erkenntnis gewinnt, erschaffe ich meine eigene Wahrheit durch meine Wahrnehmung.
Das bedeutet auch: Niemand kann meine Realität für mich bestimmen.
Nicht die Nachrichten.
Nicht gesellschaftliche Strukturen.
Nicht vorgefertigte Weltbilder.
Nicht einmal die spirituellsten Lehren.
Nur ich.
Denn wenn wirklich alles mein Licht ist, dann ist die Welt um mich herum kein festes, unveränderliches Etwas – sondern eine Spiegelung meines eigenen Bewusstseins.
Mein Blick wanderte zu dem Gemälde an der Wand. Die Farben schienen still und doch lebendig zu sein. Vielleicht ist das Leben genau das – ein Kunstwerk, das ich in jedem Moment neu erschaffe.
Die Frage ist nicht: Was ist die Wahrheit?
Die Frage ist: Welche Wahrheit wähle ich, um sie zu leben?
Und plötzlich wusste ich:
Ich brauchte nicht mehr zu suchen. Ich musste nur mein eigenes Licht erkennen – und ihm folgen.
Kapitel 3 – Zuhause in München
Die Sonne stand bereits höher, als Lorian die Treppe hinunterging. Der Duft von frisch getoastetem Brot und Zitronentee hing in der Luft. In der Küche klapperte Geschirr, eine Pfanne zischte leise.
Seine Mutter drehte sich um, als er eintrat.
„Guten Morgen, Schlafmütze,“ sagte sie, ohne aufzusehen.
Ihr Tonfall war warm, leicht spöttisch – vertraut.
„Morgen,“ antwortete er und setzte sich an den Tisch.
Die Sonne fiel durch das Fenster und zeichnete Streifen aus Licht auf den Boden. Eine Weile sprachen sie nicht. Nur das Rühren des Teelöffels klang zwischen ihnen.
„Du warst gestern spät dran,“ sagte sie schließlich, halb beiläufig.
„Ja.“
„Warst du im Büro?“
Er zögerte.
„Nicht ganz. Ich war … unterwegs. In der Stadt.“
Sie drehte sich zu ihm um.
Ihr Blick war klar, aber sanft.
„Unterwegs? Oder auf der Suche?“
Er lächelte.
„Vielleicht beides.“
Sie stellte ihm eine Tasse hin.
„Weißt du, manchmal denke ich, du trägst mehr Gedanken mit dir herum, als in einen Kopf passen.“
„Das sagen viele,“ antwortete er.
„Dein Vater freut sich übrigens, wenn du nachher kurz vorbeischaust,“ sagte sie, um das Thema zu wechseln.
„Er hat ein paar Unterlagen für das Projekt.“
„Ja, ich weiß.“
Er nahm einen Schluck Tee.
Der Geschmack war hell und zitronig, aber in ihm hallte etwas Tieferes nach – ein Gefühl, das nicht zur Küche passte.
Sie musterte ihn einen Moment.
„Du wirkst anders heute. Ruhiger … und doch irgendwie weit weg.“
Er sah sie an.
„Ich hab geschrieben.“
„Ah, das erklärt’s.“
Sie lächelte. „Wenn du schreibst, verändert sich immer etwas. Es ist, als würde das Haus dann ein bisschen mitatmen.“
„Vielleicht tut es das ja auch.“
Sie lachte leise. „Das würde mich nicht wundern. Hier atmet alles mit – sogar der Wasserkocher, wenn er lange genug zuhört.“
Er grinste.
Aber das Lächeln blieb nicht lange.
Etwas in ihm drängte danach, ihr von der Feder zu erzählen, vom Licht, das ihn schrieb, von der Stille, die sich in Worte verwandelte.
Doch er schwieg. Wie hätte er das sagen sollen?
„Ich geh nachher noch in die Stadt,“ sagte er stattdessen. „Ein paar Besorgungen.“
„Dann geh am Viktualienmarkt vorbei, dort gibt’s frische Feigen. Und bring bitte Brot mit – das gute, vom Stand mit dem alten Mann. Du weißt schon.“
Er nickte.
Ein kleiner Zettel lag auf dem Tisch, in ihrer Schrift: „Heute bitte noch...“ ordentlich, fast liebevoll.
Neben „Brot“ und „Feigen“ stand „Blumen“.
Er nahm den Zettel, faltete ihn und steckte ihn in die Tasche.
„Du gehst zu Fuß?“
„Ja, ich glaub, ich brauch ein bisschen Luft.“
„Das tut dir gut,“ sagte sie.
Dann, nach einer Pause:
„Lorian …“
Er hob den Kopf.
„Manchmal, wenn du so still bist, hab ich das Gefühl, du siehst Dinge, die andere nicht sehen.
Ich mein das nicht seltsam – eher schön.“
Er sah sie an.
In ihrem Blick lag keine Neugier, nur eine sanfte Gewissheit.
„Vielleicht,“ sagte er, „seh ich manchmal nur, was schon immer da war. Nicht der Blick macht neu. Die Offenheit tut es.“
Sie nickte, als hätte sie das verstanden, ohne es verstehen zu müssen.
Er trank den letzten Schluck Tee, stand auf.
Die Sonne hatte den Raum mit hellem Gold erfüllt, und für einen Augenblick glaubte er, dass selbst die Luft leise vibrierte.
„Ich bin nachher zurück,“ sagte er.
„Ich weiß,“ antwortete sie. „Und bring Blumen mit. Die gelben.“
„Warum die?“
„Weil sie das Licht erinnern.“
Kapitel 4 – Die Erinnerung an Sylwenya
Der Nachmittag war hell und mild, die Stadt vibrierte im Atem des Sommers. Menschen eilten über die Straßen, trugen Taschen, lachten, telefonierten. Lorian ging langsam, den Zettel seiner Mutter in der Hand, doch seine Gedanken waren stiller als der Verkehr um ihn.
Er blieb an einer Ampel stehen.
Die Sonne spiegelte sich in den Schaufenstern, und für einen Moment schien das Licht sich zu dehnen – nicht grell, sondern weich, als wollte es ihm etwas zuflüstern.
Ein Windzug strich über seine Haut. Er roch nach Lindenblüten und Stein, nach Wasser und Erinnerung.
Für einen Herzschlag war es, als würde die Stadt ausatmen.
Und in diesem Atem hörte er eine Stimme.
Leise.
Nicht über die Ohren, sondern im Inneren.
„Lorian … erinnerst du dich?“
Er blieb stehen.
Menschen gingen an ihm vorbei, doch sie wirkten fern, fast durchsichtig.
Er kannte diese Stimme. Nicht von außen. Von innen. Aus einem Raum, den er lange vergessen hatte.
Ein Gefühl, zart wie das Leuchten am Rand eines Traums, stieg in ihm auf.
„Sylwenya?“
Niemand antwortete, und doch war die Antwort überall. Ein sanftes Kribbeln durchzog seine Hände, als hielte er wieder die Feder, die ihn geschrieben hatte. Er überquerte die Straße, fast mechanisch, doch jeder Schritt fühlte sich an, als trete er in ein anderes Feld. Der Markt duftete nach Brot, nach Äpfeln und Gewürzen, doch zwischen all dem klang etwas anderes – eine Melodie, die nicht aus dieser Welt kam. Sie war nicht laut. Sie war ein Schimmer im Klang der Welt selbst.
Lorian drehte sich um.
Am Rand des Platzes, hinter einem kleinen Brunnen, stand eine Frau. Sie trug ein schlichtes Kleid, das im Wind kaum zu bewegen schien, und ihre Haare reflektierten das Licht, als bestünde jedes einzelne aus Atem.
Sie lächelte.
Nicht fremd, sondern wie jemand, den man längst kennt, aber lange nicht gesehen hat.
Er wollte auf sie zugehen – doch der Markt schob sich zwischen sie. Menschen, Stimmen, Farben.
Als der Strom wieder verebbte, war der Platz leer.
Nur das Wasser des Brunnens glitzerte.
Auf der Oberfläche tanzte das Licht...
... in feinen Mustern, und eines davon schien ...
... ein Wort zu formen.
„Sylwenya“
Er trat näher, berührte das kühle Metall des Brunnens, und in diesem Moment veränderte sich das Geräusch des Wassers. Es klang, als spräche es...
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